Wir alle kennen diese peinlichen Momente, in denen wir mit Scham reagieren und am liebsten im Erdboden versinken würden:
- Wir sitzen im Bus neben einer uns unbekannten älteren Frau und plötzlich entweicht unserem Darm ein geräuschvoller Furz. Die Dame schaut uns mit erhobenen Augenbrauen an, wir erröten und schämen uns.
- Wir stehen vor einer Gruppe und halten einen Vortrag – dann bemerken wir, dass der Reißverschluss unserer Hose offen ist. Wir erröten und kommen völlig aus dem Konzept.
- Wir sitzen allein im Auto an einer roten Ampel und popeln ungeniert in der Nase – bis wir bemerken, dass uns die Menschen im Wagen nebenan dabei beobachten. Wir werden rot und würden uns am liebsten sofort in Luft auflösen.
Wir schämen uns, wenn wir uns nicht der Norm entsprechend verhalten und dabei erwischt werden. Die Scham steigt proportional zur Anzahl der Zeugen.
Scham hat viele Gesichter. Wir schämen uns für unser Verhalten oder unsere körperlichen Aussonderungen, für unsere Meinungen und manchmal auch für unsere fehlende Begabung oder andere Makel, die wir zu haben glauben. Einige schämen sich sogar stellvertretend für andere – das nennt man Fremdschämen.
„Schäm Dich!“, „Ich schäme mich für Dich.“, „Dein Verhalten ist unverschämt, schamlos oder beschämend!“ – diese Redensarten kennen wir alle.
Scham ist kein Gefühl
Scham ist kein Gefühl, sondern eine Reaktion auf das darunter liegende Gefühl der sozialen Angst – von anderen ausgeschlossen, abgelehnt, bestraft oder gedemütigt zu werden.
➡️ Wäre Scham ein natürliches Gefühl, hätten wir sie auch, wenn wir alleine im Auto in der Nase popeln würden – ohne dass uns jemand dabei beobachtet. Wir empfinden diese Peinlichkeit nur im Zusammensein mit anderen.
Wir schämen uns, weil es uns beigebracht wurde. Aussagen wie: „Du solltest Dich schämen.“ oder „Gehe in die Ecke und schäme Dich.“ kennen viele aus eigener Erfahrung. Man wird beschämt und zurechtgewiesen, nachdem man sich auf eine Norm bezogen nicht konform verhalten hat.
Der Schamlose wird isoliert und ausgeschlossen – bis er durch Zeigen von Scham oder Reue sowie Eingestehen seines Fehlverhaltens wieder reintegriert wird. Wir haben bereits als Kinder gelernt, dass das Zeigen von Scham dazu führt, dass alles wieder gut ist.
Scham ist nicht natürlich, sondern erlernt. Wir werden nicht damit geboren.
Als Kind ist uns jegliche Art der Scham fremd. Wir entdecken uns und die Welt völlig frei von Bewertungen. Weil wir nichts bewerten, schämen wir uns auch nicht.
Wir schämen uns, weil wir uns davon etwas erhoffen
Wir sind soziale Wesen und benötigen soziale Bindungen, um zu überleben. Weil wir das instinktiv wissen, tun wir alles, um dazu zu gehören. Wenn wir der Norm nicht entsprechen und dabei erwischt werden, ist unsere soziale Zugehörigkeit gefährdet.
Die sozialen Regeln, die uns im Sozialisationsprozess durch Eltern und Erzieher bewusst gemacht werden, sind von Kultur zu Kultur – und auch innerhalb sozialer Schichten – sehr unterschiedlich. Was bei einigen als schamlos gilt, ist für andere ganz normal.
Wenn wir uns schämen, denken wir, dass wir uns in den Augen anderer unmöglich gemacht haben. Wir haben etwas getan, was „man nicht tut“, und so der Norm nicht entsprochen. In unserem Bewusstsein droht nun die Gefahr der Ausgrenzung und Isolation. Damit das nicht passiert, zeigen wir Scham durch Erröten, Runterschauen oder Ähnliches.
Wie Du die Scham hinter Dir lässt
Erst wenn Du die Angst vor Ablehnung und Ausgrenzung aufgibst, hast Du wieder die Wahl, wie Du in solchen Situationen reagieren willst.
Dann kannst Du mit Scham reagieren – musst es aber nicht. Wenn Du wissen willst, wie Du die Angst vor Ablehnung und Ausgrenzung aufgibst, empfehle ich Dir das: ➡️ Glücklich SEIN – Training – Näheres dazu findest Du dort!
Häufige Fragen (FAQ)
Ist Scham ein natürliches Gefühl?
Nein. Scham ist kein angeborenes Gefühl, sondern eine erlernte Reaktion auf die soziale Angst vor Ausgrenzung und Ablehnung. Kinder kennen keine Scham – sie entdecken die Welt frei von Bewertungen.
Warum erröten wir vor Scham?
Erröten, Runterschauen oder Hände vors Gesicht legen sind Signale, die zeigen: „Ich weiß, dass ich gegen eine Norm verstoßen habe.“ Es ist ein sozialer Schutzmechanismus, der Ausgrenzung verhindern soll.
Kann man aufhören, sich zu schämen?
Ja – indem Du die Angst vor Ablehnung und Ausgrenzung loslässt. Scham ist erlernt und kann daher auch wieder verlernt werden. Der erste Schritt ist zu erkennen, dass Scham eine Reaktion ist – keine unveränderliche Eigenschaft.
Mein Fazit
Sich zu schämen ist kein Naturgesetz – sondern eine erlernte Schutzreaktion vor sozialer Ausgrenzung.
Wenn wir beginnen, die Angst vor Ablehnung loszulassen, öffnen wir uns eine neue Möglichkeit: Frei zu reagieren – mit Leichtigkeit, Humor und dem Vertrauen, dass wir auch dann dazugehören, wenn wir mal einen Furz entweichen lassen.
Wenn Du tiefer in die Urheber-Philosophie eintauchen möchtest, dann höre Dir meinen Podcast an oder schau Dir meine Videos an. Dort gibt es auch noch einiges zu entdecken.
Sei nett zu Dir und zu allen Anderen!
❤️ Deine Kedo

